PR-Konzept für eine Universität
Wie Keynes, Friedman, Gutenberg & Co. zu guten Bekannten werden.
von Oliver Schneider (PR PLUS DUK Kurs 03)
Die Aufgabe:
Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Uni Wien zeichnet sich durch hohen wissenschaftlichen Output und innovative Lehre bei guten Rahmenbedingungen für die Studierenden aus. In der Vergangenheit wurde aber nur sporadisch in Maßnahmen zur Erhöhung der Außensichtbarkeit investiert, so dass der Bekanntheitsgrad der Fakultät bei weitem nicht zufrieden stellend ist – insbesondere verglichen mit der Wirtschaftsuniversität Wien, dem unmittelbaren Mitbewerber aus Sicht von Studienanfängern. Daher sollte ein Maßnahmenkatalog entworfen und umgesetzt werden, um mittelfristig (i) die Anzahl der Studienanfängerinnen und -anfängern (derzeit stagniert diese Kennzahl), (ii) die Bekanntheit bei Unternehmen (unter anderem um vermehrt Kooperationen einzugehen) und (iii) die Präsenz in den (österreichischen) Medien zu erhöhen.
Für die Umsetzung galt es zu berücksichtigen, dass kaum Personal für PR/Kommunikation/Marketing vorhanden ist. Nun ist es erfahrungsgemäß schwierig, aufgrund der angespannten Budgetsituationen von öffentlich-rechtlichen Hochschulen, neues Personal – zumal nicht-wissenschaftliches – anzustellen. Zentral war daher die Überlegung, wie man Studierende und Mitarbeitende aktiv in die interne und die externe Kommunikation einbeziehen kann.
Die Lösung:
Für die PR der Fakultät gibt es drei Hauptmärkte: den Ausbildungsmarkt, den Markt für Drittfinanzierung der Auftragsforschung und den Markt der wirtschaftswissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit. Gegebenenfalls tritt als vierter Markt der Beschaffungsmarkt für externe Zuwendungen hinzu. Daraus ergeben sich für das Konzept folgende Hauptzielgruppen: potenzielle Kandidaten für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, mögliche neue Partner aus der Privatwirtschaft, Meinungsführer aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, Medienvertreter sowie Studierende der Fakultät.
Die Fakultät sollte drei strategische Kommunikationsziele verfolgen:
- Sie positioniert sich als Anbieter von qualitativ hochwertigen, wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig praxisorientierten Studiengängen in Wien, den Bundesländern und auch im Ausland. Die Praxisorientierung gelingt durch die enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern.
- Dank des zunehmenden Bekanntheitsgrades steigt die Anzahl von Studienanfängern pro Semester in den Bachelor- und Master-Studiengängen.
- Meinungsbildner und Multiplikatoren sehen die Fakultät als den maßgeblichen, kompetenten Anbieter für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit starkem Wissenschaftsfundament in Österreich an.
Als zentrale Maßnahmen der Kampagne wurden vorgeschlagen: die Einführung einer E-Learning-Plattform auf der Institutshomepage; der Versand eines vierteljährlichen, von Studierenden erstellten Newsletters für alle Studierenden der Fakultät, Mitarbeitende, Partner, Alumni, Medien und Studienberatungen sowie Schulmarketing-Maßnahmen, bei denen Studierende aus höheren Semestern Maturanten und Berufsmaturanten das Studienangebot der Fakultät vorstellen und Fragen beantworten.
Der Autor:
Oliver Schneider absolvierte zwei Universitätsstudien in den Fachrichtungen Jus und Volkswirtschaftslehre. Beruflich spielten Marketing und Kommunikation von Anfang neben der Juristerei an eine grosse Rolle. So arbeitete er zunächst beim Verband Schweizer Milchproduzenten im Marketing, um im Rahmen des Basismarketings das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in Schweizer Milch und Milchprodukte zu stärken. Über die Urheberrechtsgesellschaft ProLitteris kam er zur Solothurner Spitäler AG, wo er neben seiner Tätigkeit als Leiter der Geschäftsstelle des Verwaltungsrats für die externe und interne Kommunikation zweier Standortspitäler der AG verantwortlich ist. Daneben arbeitet der in Zürich lebende Oliver Schneider als freier Kulturjournalist und Publizist im deutschsprachigen Raum.

