"Einführung in die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft" von Gernot Wersig
Erw. und akt. von Jan Krone und Tobias Müller-Prothmann. Baden-Baden 2009.
Nomos, 1. Auflage (3. Februar 2009), 181 Seiten, ISBN: 978-3832942250
Rezension von Mirko Mandic, 03.08.2009
Praxisnutzen: **
Konzeptionell: **
Ein „Renner“ unter den Studenten – so charakterisiert die Witwe Gernot Wersigs dessen Vorlesungsskript zur „Einführung in die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft“, das in diesem Jahr im Baden-Badener Nomos Verlag als Buch erschienen ist. Drei Jahre nach Wersigs Tod sind somit – vor allem auf Initiative zweier langjähriger Mitarbeiter des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin – die wissenschaftlichen Prämissen eines maßgeblichen Vorreiters der Publizistik und Begründer der Informationswissenschaft allgemein zugänglich. Das mag für die akademische Welt eine gewisse Bedeutung haben. Für die Praxis der professionellen Kommunikation ist es nur bedingt relevant – und will dies auch gar nicht sein. Wersig selbst lehnt einen solchen Praxisnutzen entschieden ab und fordert fast schon zynisch die „Entwicklung von wissenschaftlichen Resistenzen gegen die praxiswütigen und damit universitätsrivalisierenden Wünsche von Studierenden“.
In fünf Kapiteln (und einem Exkurs zur Wissenschaftsgeschichte) widmet sich Wersig der historischen Evolution von Kommunikationsmitteln, der spezifischen Entwicklung in Deutschland, grundsätzlichen Überlegungen zu Kommunikation und Medien und gibt abschließend einen – besonders interessanten – Ausblick auf die Zukunft der Massenkommunikationsforschung. Wersig bezieht in seine Darstellung historische, soziologische, psychologische, medientheoretische und nicht zuletzt technologische Überlegungen ein und liefert somit eine fundierte Basis für die weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit Kommunikation. Vor allem für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts erhält der Leser einen äußerst profunden Einblick in die Etappen und Brennpunkte der Mediengeschichte.
Beim Ausblick auf zukünftige Entwicklungen erweist sich Wersig als Kenner seines Fachs, der mit dem fundierten Wissen um die mediale Herkunft äußerst luzide und stichhaltige Aussagen über die mediale Zukunft zu treffen vermag.
Der Ursprung des Buchs als Vorlesungsskript ist unverkennbar. Angesichts des strengen Abschreitens einzelner historischer und methodischer Etappen bleibt der Lesegenuss – wie es sich für eine im universitären Umfeld entstandene Publikation gehört – ein wenig auf der Strecke. So kommt das Buch in weiten Teilen einerseits etwas spröde und leidenschaftslos, andererseits aber auch angenehm souverän, unprätentiös und pointiert daher. Wersig verzichtet auf jegliche – in den heutigen Tagen fast schon reflexartige – Begeisterung für moderne Medien und interessiert sich vielmehr für die historischen Wurzeln und technologischen Voraussetzungen von Kommunikation. Für den Leser, der sich kernige Statements für sein operatives Kommunikationsgeschäft erwartet, ist das nicht immer spannend.
Was also anfangen mit einem Buch, das sich explizit gegen eine Einverleibung seitens der Praxis sperrt? – Ganz einfach: den Versuch wagen, es dennoch zu tun und die eigene Kommunikationsarbeit so weit möglich auf ein stabiles Fundament zu stellen. Am Ende zeigt auch Wersig ein wenig Nachsicht mit der Praxis: „Praxisrelevante Forschung darf sich die Fragestellungen nicht nur von der Praxis diktieren lassen, darf aber auch nicht hyperkritisch gegen die Praxis durchgeführt werden.“
Der Rezensent:
Mirko Mandic hat an der Universität Konstanz Literatur- und Medienwissenschaft sowie Volkswirtschaftslehre studiert und im Jahr 2005 abgeschlossen. Zunächst war er in Software- und Technologieunternehmen in der Unternehmenskommunikation tätig. Parallel absolvierte er mit Kurs 33 das PR PLUS Fernstudium zum akad. gepr. PR-Berater (Abschluss Mai 2008). Derzeit arbeitet er in einer Agentur als Projektleiter für Online-Marketing, SEO und Web Analytics.

